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Dienstag, 27. Juni 2006
Schon wieder ein Abschied 1
Wenn es einen Menschen gibt, der dich nimmt wie du bist, der kein anderes Denken stört und auch gerne deine Meinung hört, der dich achtet und versteht und alle Wege mit dir geht, der ohne Lügen oder List stets aufrichtig und ehrlich zu dir ist, der das Gute in dir baut und dir grenzenlos vertraut, der mit seinem Kummer zu dir eilt und deine Sorgen mit dir teilt bist du mal traurig und verstimmt der dich dann in seine Arme nimmt, der sich aufs Wiedersehen freut und dich zu lieben nie bereut, der ist ein wahrer Freund für dich, darum lasse ihn nie im Stich. verfasser unbekannt
Unsere Saison-Arbeit begann, wie jedes Jahr mit viel Hektik. Die neuen Angestellten mußten angelernt und eingeteilt, evt. auch noch eingekleidet werden. Bis Weihnachten mußte jeder Handgriff sitzen. Jedes Bett, jede Falte mußte gleich sein. Auf jedem Tablett hatte das Geschirr gleich zu stehen. Jedes hatte die gleiche Anordnung zu haben, usw. Erst anfang Januar gab es die erste Lücke, wo man freie Tage nachholen, oder auch Fehlleistungen überarbeitet werden konnte. Die Arbeit war gut, denn wir waren nicht das erste Mal da, kannten den Ablauf der Arbeit genau. Der Winter gab auch genug Schnee her, sodaß die Gäste zufrieden und glücklich waren, denn es war natürlich schon so, wenig Schnee, keine gutgelaunte, schlecht zufriedenzustellende Gäste, erschwerte Arbeit, viel oder genügend Schnee, gutgelaunte, großzügige Gäste, dann machte das Arbeiten auch viel mehr Spaß. Bei uns drei, war der Bau und alles was dazugehörte, Gesprächsthema Nummer eins. Wir redeten und machten Pläne, stunden- und nächtelang. Die Nachrichten aus Kreta waren gut, das Wetter erlaubte es, mit dem Bau des ersten Hauses gut voranzukommen und die Baubewilligungen für die anderen Bauten waren uns aufs Frühjahr versprochen worden. Da zahlte sich der vorsichtige und geplanten Kauf der Grundstücke von Janis aus. Wir entschieden, daß Janis als erster gehen sollte und Meinrad und ich den Job bis Ostern zu Ende machen würden, um dann nachzureisen. Ich wollte noch soviel von der griechischen Sprache lernen, wie möglich, sodass ich mich bei den Angestelleten durchsetzen und mit den Gäste unterhalten konnte. Zu meiner Überraschung gefiehl es mir sehr, auch wenn ich mich am Anfang mit der Schrift etwas schwer tat. Die Zeit verflog wie im Flug, Stress war an der Tagesordnung, deshalb fiel es mir auch nicht sofort auf, daß Meinrad schlecht und blass aussah. Er war bereits beim Arzt gewesen, weil er so müde und abgeschlafft war, sowie immer wieder wahnsinnige Bauchschmerzen hatte. Doch der meinte, es käme vom Stress und würde sich nach der Saison bessern. Doch ich gab mich nicht damit zufrieden und schleifte ihn ins Inselspital in Bern.Eine Untersuchung folgte der nächsten, bis wir wußten, daß er einen Tumor hatte, der so schnell wie möglich operiert werden sollte. Die Ärzte machten keinen Hehl daraus, wie gefährlich und schwer die Operation werden würde. Aber eine Alternative gab es keine. Janis wollte natürlich sofort nach Hause kommen, doch er mußte auf Kreta bleiben, denn der Bau war schon zu weit fortgeschritten, um alles den anderen zu überlassen. Für Meinrad und mich, war alles so weit weg. Alles Denken und Fühlen, drehte sich bei uns nur noch um die OP, die bald anstand. Oft hielten wir uns einfach in den Armen und weinten, wir hatten eine riesige Angst. Vor allem ich, es konnte doch nicht sein, daß ich ihn auch noch verlieren würde. Janis war verzweifelt auf Kreta, denn das erste Haus war eröffnet, Was er überhaupt nicht machen wollte,nicht alleine,für ihn gehörten wir dazu. Auch war er seit vielen Jahren nie mehr so lange ohne Meinrad gewesen. Meinrad wollte nach Hause zu den Eltern fahren, egal was kommen würde, er möchte Frieden haben.Ich durfte gar nicht daran denken, daß ihm etwas passieren könnte, das schob ich ganz weit weg. Im Gegensatz zu mir,war er nie mehr dort gewesen. Ich war immer mal wieder zu Besuch gewesen, habe mich immer wieder um sie gekümmert, aber Meiri hatte nie den Mut dazu gehabt, was ich durchaus verstehen konnte. Sie wußten auch nicht, daß wir all die Jahre mehr oder weniger zusammen gearbeitet und gelebt hatten. Auf dieser Fahrt, erzählte er mir das erste mal, von damals, was in der Nacht wirklich passiert war, als Vater ihn rausgeschmissen hatte, als er erfahren hatte, daß er schwul war. So wie ich meine Eltern kannte, und was ich noch aus eigener Erinnerung wußte, war es keine schöne Angelegenheit, keine schöne Geschichte, doch es ist ja oft auch Heute noch so. Es gibt in meinen Augen noch viel zu wenig Offenheit, auch wenn die Promineten Menschen einen großen Vorstoß in Sachen Outing gemacht haben. Meiri war ihnen nie böse gewesen, denn wir wußten beide, daß sie nicht anders handeln konnten, auch wenn es sie sicherlich oft in den vielen Jahren sehr schmerzen mußte, vorallem weil sie ja Leo schon hergeben mußten. Ich hatte ihnen nicht erzählt, daß ich ihn mitbringen würde, denn ich wollte einem kategorischen Nein, keine Chance geben. Doch nach der ersten Überaschung, waren sie nur noch glücklich, daß er da war, auch wenn siesofort merkten, daß er krank sein mußte, denn er war doch schon ganz schön abgemagert. Er erzählte ihnen von der bevorstehenden schweren OP, auch daß sie gefährlich war. Sie meinten sofort, er sollte nachher nach Hause kommen, um sich pflegen zu lassen und um sich zu erholen, das war die Hand, die sie ausstreckten und Meinrad nahm sie sofort an. Er erzählte ihnen von seiner Arbeit, seinem Leben all die Jahre, allerdings ohne Janis und mich zu erwähnen. Hätten wir doch früher den Schritt machen sollen? Doch ich glaube, dann wären sie noch nicht so weit gewesen zu verzeien, auch wenn es nichts zu verzeien gab. Wir blieben über Nacht, da es doch schon spät geworden war. als wir uns verabschiedeten, hatten sie Tränen in den Augen. Ich denke sie ahnten, daß es nicht gut aussah, doch gesagt hatten sie nichts. Wir hingen beide den Gedanken nach, jeder für sich. Nachdenklich kamen wir in Zürich-Kloten am Flughafen an, um Janis abzuholen, der nun nicht mehr abzuhalten gewesen war, zu kommen um seinem Lebenspartner beizustehen. Der Morgen, an dem wir Meiri ins Spital brachten, war furchtbar, Hoffnung, Angst, alles durcheinander, wir litten Höllenqualen. Zwei Tage später wurde er operiert. Janis und ich sassen auf dem Flur vor dem OP- Saal, kippten Unmengen von Caffee in uns rein, hielten uns an den Händen, beteten und hofften, daß alles gut gehen würde. Sie legten ihn auf die Intensiv und wir durften zu ihm. Stundenlang saßen wir da, einer links, der andere rechts vom Bett, hielten ihn an den Händen, streichelten ihn, damit er spürte, daß wir da waren. Wir sagten zu ihm alles mögliche und unmögliche. Janis und ich hatten in der Nähe in einer Pension ein Zimmer genommen, um sofort bei ihm sein zu können, wenn etwas sein sollte. Dort angekommen, hielten wir einander fest und weinten uns erst mal aus. Die OP und die nächsten Tage waren überaschend gut verlaufen und er konnte auf die normale Station verlegt werden. Ach waren wir glücklich, jeder Tag ging es mehr aufwärts.Unsere Eltern sowie die von Janis waren genausofroh . Wir fingen schon wieder an Pläne zu machen. Janis würde nach Kreta fliegen, ich würde Meinrad zu unseren eltern fahren, um sich wieder aufpäppeln zu lassen. Ich hatte in der Nähe eine Aushilfstelle im Service angenommen, denn zuweit weg von ihm wollte ich noch nicht. Janis und ich waren in der Stadt gewesen um das Flugticket zu holen. Als wir zurück ins Inseli kamen, kam uns schon die Schwester entgegen. Ganz aufgeregt sagte sie uns, daß es Meiri schlechter ging und sie ihn wieder erneut auf die Intensiv verlegt hätten. Es ging ihm furchtbar schlecht. Wir drei hielten uns an den Händen und weinten. Der Arzt kam und wollte mit Janis und mir sprechen. Wieder der Geschmack von Desinfektionsmittel, wieder ein Arzt, der was sagte, ich aber alles wie aus weiter Ferne hörte. Ich kannte das schon alles, nur war ich kein junges Mädchen mehr, sondern eine erwachsene Frau, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden stand, doch genau den verlor ich wieder. Janis und ich standen da, nicht fähig ein Wort zu sagen, verstanden überhaupt nichts. Was sagte er? er würde sterben; nein, das konnte, durfte nicht sein. Er würde sich wieder erholen, der Arzt mußte sich irren, doch der überließ uns einer Schwester, die uns zu erklären versuchte, was passiert war und warum. Doch richtig verstanden hatten wir es nicht. Bevor wir zu Meiri gehen wollten, machten wir einen Spatziergang, wir mußten erst mal runter kommen. Wir weinten, bis wir keine Tränen mehr hatten, gingen dann auf die Intensiv zurück. Wir würden ihn nicht mehr verlassen, das hatten wir uns versprochen. Wir erschracken, denn er sah schlecht aus und wir mußten uns nichts mehr sagen, so wie wir drei uns oft ohne große Worte verstanden hatten. Wir hielten uns fest und langsam durfte er gehen. Nun leuchtet der dritte Stern meiner Brüder für mich. Es war der 16. Juli 1979
Abschied 2
Der Abschied Warum schon wieder ich? Warum mußte ich schon wieder einen Menschen, einen Bruder hergeben, den ich so liebte? Warum? Warum? Warum? Dieses Wort kreiste mir schon wieder dauernd im Kopf herum. Alles wie damals vor 13 Jahren bei Leo! Nur war ich diesesmal nicht alleine. Janis und ich stützten uns gegenseitig. Wir mußten uns von Meinrad verabschieden, denn wir durften nachher nicht mehr zu ihm. Wir mußten uns auch desinfizieren, dieser Geruch, den ich seit damals so sehr hasste. Sie erzählten uns was von Ansteckungsgefahr, daß der Sarg geschlossen bleiben mußte. Ich durfte keine Entscheidungen treffen. Meinrad war ledig und unsere Eltern dafür zuständig. Dafür kannte ich meine Eltern zu gut, die würden sich nicht von mir reinreden lassen und genau so kam es dann auch. Ich hatte also die schwere Aufgabe sie anzurufen und ihnen zu sagen, was passiert war. Sie waren geschockt, und schimpften als erstes mit mir, warum ich nicht früher angerufen hätte, sie wären dann sofort mit Walter gekommen. Daß Meinrad das nicht gewollt hat, schon gar nicht, weil Janis dabei war, konnte ich ihnen nicht sagen. Ich bot ihnen an, zu kommen und sie nach Bern zu fahren, weil sie die Verantwortung für die Aufträge hatten. Das lehnten sie ab, warum auch immer? Sie würden mit Walter kommen. Mir konnte es recht sein, ich hatte alles andere als Lust, mich mit ihnen auseinanderzusetzen. Ich war die Kleine, die hatte nichts zu sagen; das hatte sich anscheinend noch nicht geändert. Ich sagte ihnen, daß Meinrad alles für eine Feuerbestattung geregelt und ausgesucht hätte, das lehnten sie, vor allem Vater lautstark ab. Das kommt nicht in Frage, er gehört auf unseren Friedhof. Mir wäre es lieber gewesen, er hätte früher nach Hause gehen können. Aber ich hatte das nicht zu entscheiden, Also sagte ich mein kommen erst auf den Dienstagabend an, so hatten Janis und ich Zeit für uns. Wir fuhren nach Biel in ihre Wohnung. Hielten uns fest, trösteten uns gegenseitig, schauten alte Bilder an und dachten an die wunderschönen Jahre die sie beide, aber auch wir drei zusammen gehabt hatten. als wir an unser gemeinsames Projekt in Kreta dachten, wurde uns bewußt, daß wir seiner Familie noch gar nicht Bescheid gesagt hatten. Was wir sofort nachholten. Sie waren alle genauso geschockt, sein Bruder wollte sofort kommen um uns zu helfen , was wir jedoch dankend ablehnten, weil ja nicht wir zu entscheiden hatten, sondern meine Eltern. Was wurde nun aus den Plänen für Kreta? Alles was wir geplant hatten kommt ins wanken. Konnten, wollten wir das auch ohne ihn machen? Irgendwann forderten unsere Körper ihr Recht. Wir hatten seit ein paar Tagen nicht mehr richtig geschlafen, gegessen sowieso nicht. Wir fielen in einen tiefen, schweren Schlaf, um am anderen Morgen, etwas erholter aufzuwachen. Wir machten uns auf den Weg zu meinen Eltern, es waren immerhin fast 3 Std. Autofahrt, liessen uns aber Zeit. Hielten da an, wo wir gemeinsam gewesen waren, gingen Wege entlang, die wir gemeinsam gegangen waren. So kamen wir erst bei ihnen an, als sie von Bern wieder zurück und Walter schon wieder nach Hause gefahren war. Ich stellte ihnen Janis als meinen Freund vor, was sie sofort glaubten. Sie hatten selten einen Freund von mir zu Gesicht bekommen, höchstens wenn ich mal bei einem Besuch jemand dabei hatte. Vater lag mir sowieso dauernd in den Ohren, ich sollte endlich etwas Festes suchen und heiraten. Sie waren nun doch froh, daß wir da waren, denn es mußten doch noch alle Behördengänge, den Termin für die Beerdigung mit dem Pfarrer und halt alles was es an Arbeit gab gemacht werden. So hatten Janis und ich doch noch einiges zu tun, über das wir froh waren, Die Beerdigung war erst am Samstag, weil es früher vom Pfarramt nicht möglich war. Wir machten dann den Termin für die Überführung von Bern auf den frühen Freitagabend, bestellten die Blumen auch auf diese Zeit, sodass bis zum Rosenkranz alles erledigt war. Wir zwei zogen uns ins nächste kleine Städtchen zurück, traffen uns mit meinem besten Freund Walter, zu Hause zwei Tage rumsitzen hätte uns verrückt gemacht, vor allem weil wir immer aufpassen mußten mit dem was wir sagten. Mir graute vor der Beerdigung, war so dankbar, daß Janis bei mir war. Doch die Zeit war ja auch hier nicht still gestanden, kein Vergleich mehr zu früher, bei Leo. Den Weg wurde einem erspart, denn es gab nun eine Aussegnungshalle. man traf sich auf dem Friedhof. Ich hatte Angst um meinen Vater, er hatte kaum Kraft zum stehen, wir mußten ihm einen Stuhl besorgen. Ich hätte gerne gewußt, was in ihm vorging. Von den vielen Verwandten kannte ich nicht die Hälfte. Weil wir schon soviele Jahre unterwegs waren, hatten wir keinen großen Kontakt. Janis und ich waren die einzigen, die mit ihm gelebt und gearbeitet hatten. Wir stützten uns und gaben einander Halt. Wir wußten nicht mehr viel, war alles sehr verschwommen. Am Sonntagmittag nach der Kirche zogen wir uns nach Biel zurück. Ich war nur froh, daß er doch noch einmal zu Hause gewesen war, so konnte er in Frieden gehen, das tröstete auch unsere Eltern, das weiß ich genau. Janis und ich gaben die Wohnung in Biel auf, ich fuhr das was ich behalten wollte nach Hause und Janis flog zurück nach Kreta. Ich wollte noch nicht, ich zog durch die Lande, mal hier einen Job, mal da. Ich war nicht fähig was festes anzunehmen. Ich fand den Weg aus dem tiefen Loch in das ich gefallen war einfach nicht hinaus. Ich war oft kaum fähig die Tage zu überstehen. Janis war um mich besorgt, das wußte ich, ich konnte ihn aber immer wieder beruhigen und er hatte genug zu tun. Bis ich eines Tages ein Flugticket von ihm bekam und die Bitte, zu kommen, er würde mich dringend brauchen. Das war dann für mich keine Frage sonder selbstverständlich. Die zwei kleineren Häuser die schon fertig und offen waren, waren einfach traumhaft geworden. Es erinnerte vieles an Meinrad. Weißt du noch, das hat er ausprobiert und geteste ob es funktoniert, oder hier hat er Vorschläge gemacht oder Änderungen angeregt. Janis sagte zu mir, daß er fest mit ihm verbunden sei, und immer wenn etwas neues dazukommen soll, frage er ihn um Rat. Die Hotels standen ganz am Anfang des Gebietes, nahe am Meer mit dem aufgeschütteten Sandstrand. So konnte man nach oben hin gut weiterbauen, ohne die Gäste sehr zu stören. Die meisten waren begeistert, von dem was schon war und von den Plänen, mit dem was noch kommen sollte, und wie es dann mal aussehen würde. Wir hatten viele gäste aus Italien und vom Griechischen Festland, Athen und Umgebung. Gott sei Dank hatte ich die griechische Sprache nicht vernachläßigt, denn Deutsch hörten wir nur selten. Janis hatte zwei ehemalige Mitarbeiter, mit denen sie öfters auf See gewesen waren, dazugeholt, die sehr tüchtig waren, aber auch froh eine Dauerstellung in der Heimat gefunden zu haben. Ich blieb bis Ende Oktober, dann mußte ich nach Hause, erstens weil ich keine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung hatte, aber auch, weil ich für den Winter eine Stelle in einem Speiselokal als einfache Serviertochter angenommen hatte. Ich wollte keinen Job mit großer Verantwortung machen, ich genoß es richtig die anderen entscheiden zu lassen. Ich hatte von Anfang an gesagt, daß ich Ende März aufhören würde, weil dann Kreta auf mich wartete. Ich konnte es kaum erwarten, endlich wieder in einem großen Familienverbund aufgenommen zu werden.Wir konnten wieder einiges dazu übernehmen, was fertig geworden war. Wir arbeiteten viel und hart, waren gut ausgebucht und das Esslokal war auch jeden Abend gut besucht. Der erste Todestag von Meinrad kam, Janis und ich vermissten ihn immer noch jeden Tag. Ihm fehlte der Lebenspartner und mir mein Freund. Die Eltern von Janis fragten uns, ob wir mit ihnen in die Kirche gehen wollten, was ich sehr fürsorglich fand, auch wenn es die griechisch ortodoxe Kirche war, beten kann man überall. Es war ungemein feierlich und voller Liebe. Janis und ich waren total berührt, als wir sahen, was seine Eltern in ihrer Familiengruft für Meinrad gemacht hatten. Wir glaubten unseren Augen kaum. Sie hatten eine Tafel an der Wand angebracht, mit seinem Namen und seinen Daten, so hatten sie für Janis einen Platz geschaffen, wo er trauern aber ihm auch sehr nahe sein konnte, aber auch Meinrad nachträglich als Familienmitglied aufgenommen. So ging der Sommer langsam dem Ende entgegen, ich mußte wieder an die Heimreise denken. Es wartete ein neuer Job im Engadin auf mich. Es ging mir gut, ich war in diesem Sommer reifer und erwachsener geworden, was man mit 27 Jahren das noch werden kann.? Ich hätte mir nie träumen lassen, daß dies mein letzter Sommer auf Kreta gewesen war. Doch meine Vorsehung hatte einen anderen Lebensweg für mich ausgesucht. Ich weiß aber, daß es allen gut geht und Janis immer noch Meinrad und mich in seinem Herzen hat. Den Grundstein den wir drei für das Familienunternehmen gelegt haben, geht nun in die nächste Generation und trägt Früchte. @ mary rosina 06.06
Freitag, 16. Juni 2006
Hab meine Heimat gefunden
Hab meine Heimat gefunden
Mein Bruder Meinrad meinte, es wäre wohl an der Zeit, dass ich eine Vernünftige Ausbildung machen sollte. Er war ja gelernter Schneider und hat die Hotelfachschule besucht, aber er meinte, er würde mich selber besser ausbilden, als eine Schule. Das hat sich auch bestätigt..! Den Beruf als Servicefachangestellte gab es noch nicht, also nahm er das selber in die Hand. Er hat für uns Stellen gesucht im Engadin, er war natürlich mein Chef. Er schnappte mich und wir fuhren zusammen mit seinem Partner, er hatte seit Jahren einen festen Partner, wenn es hart auf hart kam, war er mein Freund. Damals Ende der Sechziger, auch noch tief in die Siebzigern, war es verboten schwul zu sein. Im Hotel- und Gastgewerbe ist es ein Vorteil, denn sie sind viel zuvorkommender hoffierender, freundlicher zu den Gästen Das schwul sein, war auch der Grund, warum er nicht mehr nach Hause gehen konnte. Vater muss in rausgeworfen haben, als er es erfuhr. Ich war damals noch zu klein, und Meinrad hat dazu immer geschwiegen.
Richtung Engadin, weg war ich, na ja, vermissen würde ich nicht viel, ausser dass es mir schwer fiel, gehorsam zu sein und mir sagen zu lassen, was ich zu tun und zu lassen hatte. Ich war wirklich so etwas wie ein Wandervogel gewesen vorher. Ich wusste zwar, wo das Engadin lag und man romanisch sprach, hatte aber keine Ahnung was mich da erwartete. Als wir oben auf dem Julierpass vor der Abfahrt nach Silvaplana standen und ich meinen Blick wandern liess, ging mein Herz auf, ich bekam Tränen und wusste, spürte, da bin ich zu Haus. Dieses Bild ist mir damals ins Herz eingebrannt worden. Egal welche Jahreszeit, im Sommer die tiefblauen Seen, einer nach dem anderen, Maloya-Silser-Silvaplane-Champferer-St.Moritzersee. Die Berge rechts und links hoch, ganz oben die Gletscher und der ewige Schnee. Den ganzen Sommer über kommen die Fischer um in dem Inn oder den unzähligen Bergseen zu fischen. Am Anfang des Winters, wenn es schon Schnee hatte, aber die Seeen noch nicht gefroren waren, lagen sie schwarz in einer weissen Pracht da um nachher zuzufrieren bis zum nächsten Frühling. Man weiss ja, was alles auf diesen Seeen abgespielt wird, Pferdepolo, Engadiener, Langlaufmarathon ist nur ein Bruchteil des Geschehens. Es gibt eine Sprungschanze, ein fester Termin am 25.Dez jeden Jahres, Weihnachtsspringen. Die einzige Bobbahn, die noch von Hand und mit Schnee gebaut wird. Sie fängt oben in St.Moritz an und geht runter nach Celerina. Wie viele WM und EM`s wurden da schon ausgerichtet, auch im Skeleton, eine Tipische Englische Sportart, gibt es soviel ich weiss in keiner Naturbahn ausser in St.Moritz durchgeführt. Die Weltmeisterschaften des Wintersport waren erst grad vor ein paar Jahren, auf dem Corviligna, geblieben sind die Abfahrt, Riesenslalom und Slalom der Frauen. Im Sommer wird der Malojawind für die Surfer zum Mekka. Dann nicht zu vergessen die Sportler aller Art, geniessen hier auf 1800 m.ü.M. das Höhentraining. Sommer wie Winters. Und das Skilaufen ist auf dem 3300m hohen Corvatsch - Gletscher das ganze Jahr über möglich.
Der Sommer ist einfach nur gigantisch, Die ganze Alpenflora, die Bergseen mit ihrem klaren Wasser und die Kilometer langen Wanderwegen. Dieser tiefblauen Himmel, ohne ein Wölkchen, wir sagen dazu immer das Postkarten Wetter, weil dies auf fast jeder zu sehen ist. Auf den Muottas Muragl fährt eine der steilsten Zahnradbahnen. Ich bin als die Kinder noch kleiner waren, mit ihnen, rauf gefahren und runter gelaufen, was ihnen damals noch leichter viel. Dieser Blick, jeder der mal auf Muottas Muragl war, wird ihn nie mehr vergessen, denn man sieht über das ganze Tal bis nach Maloja. Ja das ist meine Heimat geworden, auch wenn wir im Tessin oder Berneroberland waren, immer wieder waren wir im Engadin. So wie ich ins Engadin nach Hause ging, war es bei Meinrad das Bernerland. Er und sein Partner hatten eine kleine Wohnung in Biel- Bienne. @ mary rosina 06.06
Also, nun geht es los!
Wir kamen an unserem Arbeitsplatz an. Unsere Zimmer waren ganz unter dem Dach, klein und nur mit dem nötigsten ausgestattet. Das war aber in den großen Hotels die Gewohnheit, wie ich immer wieder feststellen werde. Aber man war ja sowieso nicht viel auf dem Zimmer, in jenen Jahren war es noch an der Tagesordnung, 12-16Std. Tage.zu arbeiten, dann fiel man todmüde ins Bett und wie das Zimmer ausgestattet war das interessierte keinen mehr. Meinrad hatte es geschickt gemacht, er war mein Chef und so mußte ich lernen, grad immer, was er dachte, und an der Reihe war hatte ich zu lernen Ich war in der Küche als Tellerwäscher, also in der Hirarchie ganz unten mußte ich anfangen. Ich war in der Rüsterei, Salate, Gemüse, Kartoffeln waschen und rüsten, sowie schneiden. Das ging damals alles noch von Hand; als nächstes war ich dann Kaltmamsell (kalte Küche) das gefiel mir das machte ich gerne, auch später habe ich diesen Job noch öfters angenommen. Aber an die Kreativität von Meinrad kam ich nie an Die Platten und Teller, die er herrichten konnte, die sahen aus wie Kunstwerke. Kaltmamsell; ihr Job ist; die Kalten Teller und Platten herzurichten. sowie das Kalte Buffet gehörte auch dazu. Dann die ganzen Dessert, Eisbecher usw. Als nächstes kam die Theke an die Reihe. Meinrad meinte immer, du mußt wissen, was du den Leuten verkaufts. An der Getränke Ausgabe, so lernt man es am besten. Dann kam der Etagedienst an die Reihe, als Zimmermädchen und Putzfrau.da muß man mehr als penibel sein, Kontrolle mit weißen Handschuhen!!! Ich kann schon sagen; "Lehrjahre sind wirklich keine Herrenjahre." Dann endlich durfte ich als Comie in den Service. Meinrad war als Chef furchtbar. Von mir verlangte er immer doppelt soviel wie von den anderen, ich ganz schön beschissen fand. habe ich mit ihm gestritten, gezornt und auch ab und zu abgehauen, aber ich ging immer ganz reumütig zurück. Ich muß ihm damals ganz schön auf die Nerven gegangen sein, er hat mich immer wieder aufgebaut und gestützt, ebenfalls von Janis, der tröstete mich immer, wenn ich traurig und fertig war.In dieser Zeit habe ich soviel gelernt, dafür bin ich ihnen heute noch dankbar. Ohne ihre harte Schule, durch die ich gehen mußte, wäre ich wohl nie so erfolgreich geworden. Eines machte ich nicht gerne; in den riesigen Hotels mochte ich nicht gerne arbeiten. Mir gefiel es in kleineren Hotels und Speiselokalen besser, in den großen Kästen fühlte ich mich nicht wohl. Meine beiden Männer aber, arbeiteten lieber in diesen großen Kästen. Für mich mußte alles ein bisschen einfacher, persöhnllicher sein. Nebenher lernte ich die Sprachen, wenigstens soviel. daß ich an der Rezeption mit den Gästen sprechen konnte. Die Fachsprache vom Hotel- und Gastgewerbe ist französisch. Egal wo man auf dieser Welt lehrnt,immer in Französischer Sprache. Dann kam hinzu, daß man im Engadin Romanisch spricht. Eine alte Lateinische Sprache. Die vierte Landessprache der Schweiz. Das Oberitalien ist ja nicht weit entfernt, deshalb sind auch sehr viele Saisonarbeiter aus Oberitalien. Da ist es schon von Vorteil, wenn man wenigstens das nötigste kann, um die Anordnungen der Arbeit weitergeben zu können. für ein halbes Jahr ging ich nach England, um die Sprache zu lernen. War eine gute Zeit. Ich arbeitete nebenher in einem Steakhous, was sehr viel Freude machte. Ich hatte über den Winter einen Job als Springer angenommen. Das heißt du wirst immer da eingesetzt, wo Not am Mann war. Das konnte auf der Skiehütte sein, und abends noch an der Hotelbar. Oder im Etagendienst um noch in der Wäscherei zu landen. Solche Jobs sind der absolute Höhepunkt, nur wer eine gute Kondition hat und ein großes Fachwissen auf allen Posten überlebt diese Zeit. Hier zeigte sich, was ich alles von Meinrad und Janis gelernt hatte. Erst jetzt wußte ich es zu schätzen, was sie mir beigebracht hatten. die beiden hatten dies aus mit gemacht. Eine gute Fachkraft, mit vielen Kenntnisse der Hotelführung. Ich hatte noch zwischen durch meine Ausbildung an der Wirteschule gemacht und durfte nun auch selber ein Hotel leiten oder selber führen. Ich war den beiden so dankbar, habe ich überhaupt genug gedankt? Ich schau hoch zum Himmel, wo dein Stern leuchtet und sage dir ein leises Danke, Danke für deine Liebe und Fürsorge. Danke daß du für mich da warst, Danke mein Bruder, danke daß du mein Bruder warst. Ja die beiden waren so stolz auf mich, grad weil ich es ohne sie geschafft hatte. Auch wenn sie nicht bei mir waren sondern auf See, habe ich mich immer weitergebildet und nun den Lohn dafür bekommen.
@ mary rosina 06.06
Der Lohn unserer Arbeit
Der Lohn unserer Arbeit Durch meine nun auch vollständige Ausbildung, stand uns die Welt offen, was wir auch einzeln oder zusammen auslebten. Die beiden Jungs fuhren oft auf See, machten mich mit den schönen Südseepostkarten neidisch. Ich besuchte sie manchmal, wenn ich zwischen den Saisons Zeit fand. Ein Kurztrip mußte meistens reichen.Denn je besser ich wurde, je mehr Erfahrung ich zusammen mit meiner guten Ausbildung mitbrachte, desto höher fiel ich die Treppchen rauf. Je höher, je mehr Verantwortung, desto mehr Arbeit, das ist halt so. Aber ich hatte einen Traumjob und immer wieder dankte ich meinem Bruder im stillen, das er mir das überhaupt ermöglicht hatte. Auch wenn die beiden auf See waren, war unser Kontakt immer da, ich erinnere mich noch gut an die horenden Telephonrechnungen die wir hatten. Meins wäre das nicht gewesen, ich bewunderte die Beiden, wie gut und locker sie das machten. Mir war lieber, ich hatte Boden unter den Füssen. So verging die Zeit und die beiden machten Pläne, wollten der See entgültig auf wiedersehen sagen. Vor dem Saisonbeginn, gingen sie nach Kreta, weil Janis von dort stammte.
Das wäre Jahre vorher nie möglich gewesen. Es war nie leicht für die Beiden, den schwul zu sein war in jener Zeit niergend wo einfach. War also in Griechenland genauso wie bei uns zu Hause., da gab es keine Unterschiede. Meinrad wurde von meinem Vater rausgeworfen und Janis genauso von seinem Vater. Jahrelang mußten die beiden um ihre Liebe kämpfen und Versteck spielen. Es war einfach nur schlimm. Ich kannte viele, die begannen zu trinken, oder noch schlimmer Selbstmord, weil sie mit dem ganzen Druck nicht mehr fertig wurden. Doch gerade im Hotelgewerbe und auch bei Luftlinien, waren die schwulen Männer sehr beliebt. Sie waren viel freundlicher- höflicher- zuvorkommender. Also, wenn ich die Wahl hatte, zwischen einem sogenannten Normalen- oder schwulen Kellner, entschied ich mich für den Schwulen Kollegen und lag eigentlich fast nie daneben.Grad im Hotelgewerbe, kannte man sich untereinander, es waren Freundschaften entstanden über all die Jahre, man arbeitete im Sommer im Tessin, Luzern oder oben in den Bergen, die ja beides hatten, Sommer und Winter Saison. Man kannte und schätzte sich.Es war wie eine große Gemeinde, man traf immer wieder die gleichen Menschen. Und immer wieder griff man auf die vertrauten Mitarbeiter zurück.
Meine beiden Männer waren damals sehr glücklich, als sie nach sovielen Jahren,von der Familie nach Kreta eingeladen wurden. Endlich, nach sovielen Streits und vielen bösen Worten, endlich die Hand ausstrecken konnten und sie auch von Janis Eltern angenommen wurden. Ich hatte immer den Verdacht, daß seine Brüder und Schwestern dahinter steckten, denn sie sahen, was die zwei sich in den Jahren zusammen gearbeitet hatten und das Janis sich immer mehr von dem Grundbesitz dazukaufte, und der immer größer wurde.Denn die waren ja auch nicht blöd, Janis hatte keine Kinder, also fällt da mal ein großer Batzen für sie ab, aber nur, wenn man Frieden machte.Wir wußten das, aber es war in Ordnung. Janis sagte einmal zu mir: weißt, ich kann es verstehen, wir waren immer arm und mein Vater hat sich redlich abgemüht die Familie zu ernähren.Und nun komme ich, kaufe große Grundstücke, also muß ich Geld haben, daß ich viele Stunden am Tag arbeiten muß, sehen sie nicht.Aber sie werden es sehen, wenn sie alle bei mir arbeiten werden, aber arm werden sie dann nicht mehr sein. Aber eine große Familie, die dafür arbeiten muß, damit es so bleibt. Ich persöhnlich hatte zu Janis Eltern einen herz- und freundschaftlichen Kontakt. Auch wenn sie nicht verstanden, warum ich nicht als "gute Frau "verheiratet war, sondern lieber soviel arbeitete.Aber das verstand mein Vater ja auch nicht. Früher hielten sie mich immer für ein schlechtes Mädchen, aber wie heißt es, es kommt immer öfters anders als man denkt. Ich fühlte mich immer gut bei ihnen und wenn ich da war, hielt ich mich auch an die Regeln, was mir nicht einmal schwer fiel. Im Gegenteil. ich genoß es, so behütet zu werden, wenn ich auch manch schönem Kreter mit Adonisfigur eine Abfuhr erteilen mußte. Wer weiß, wer weiß, was wohl geworden wäre, wenn das Schicksal nicht wieder einmal unmißverständlich zugeschlagen hätte. Es war halt schon noch so, wie vor 100 Jahren auch bei uns. Ein kleines Dorf mit knapp 300 Einwohner, die Jugend kaum eine Zukunft, bis der Tourismus kam.Aber auf dieser Seite der Insel, kam er in langsamen Schritten.Ein gutes Mädchen ging nicht alleine fort, immer nur in Begleitung von Bruder oder Cousin. Heiraten wurden noch abgesprochen oder zumindestens zurechtgeredet, wie ich immer sagte. Aber gehen wir in unserer Geschichte mal 100- 200 Jahre zurück; war das doch auch nicht anders.Geld kam zu Geld, Hof zu Hof. Die vielen Heimat und Bergromane sprechen eine deutliche Sprache.Oder?
Ich mußte allerdings schon wieder lernen. Die Computer hielten Einzug.Alles und jedes wurde miteinander verbunden, waren aber die ersten Jahre voller kleinen und großen Kinderkrankheiten. Jeder der das mitgemacht hat, egal in welchem Bereich, weiß von was ich rede.Mich schüttelt es heute noch. Doppelbuchungen, gar keine, bei den Bestellungen genauso, gar nichts oder zuviel. Alles mußte doppelt gemacht werden, einmal mit und einmal ohne dieser neumodischen platzraubenden Ungetüm. Ja, die Entwicklung hat riesige Vortschritte gemacht. Heute würde es mir bestimmt viel Spaß machen.
Der Sommer ging langsam zu Ende, die Sommersaison ging bei mir bis zum 1.Okt. Dann fuhr ich erstmal zu meinen beiden Männer nach Kreta. Dort erzählten sie mir erstmal voller Stolz ihre neuen Pläne. Sie wollten mich damit überraschen, was ihnen auch voll gelungen ist. Janis hatte immer wieder zu seinem ererbten Land, weiteres dazugekauft, so war ein ganz schöner Platz zusammen gekommen. Flach bis zum Strand und hoch bis in die Hügel. Mit Olivenbäume und Orangenplantage. Einfach nur traumhaft, da konnte ich mir wirklich ein Hotel vorstellen, das mit der Landschaft verschmelzen sollte. Also keine Hochhäuser sondern Kleinere, verteilt über das ganze Gelände. Die Pläne waren im groben fertig, es würde einen wundervollen Platz zum Erholen geben. Die beiden hatten all ihr Können da reingesteckt. Es war für mich keine Frage, das ich da einsteigen würde. Jeder würde seinen Teil zu tragen und zu bearbeiten haben. Wir waren schon so oft ein Team gewesen, wir mußten nicht befürchten, daß wir nicht zusammen arbeiten könnten.
Damals, ja damals war Kreta erst am Beginn eine Ferieninsel zu werden. Da der Internationale Flughafen in Heraklion liegt, wurden rundherum die Hotelburgen hochgezogen. Dieser Inselteil war innerhalb kürzester Zeit so vollgestopft, wie einige Jahre vorher die Costa Brava in Spanien. Doch Kreta hatte viel mehr zu bieten.Am Strand liegen, im Hintergrund die Hügel und Ida, der größte Berg Kretas. Der noch lange eine weiße Spitze hatte, einfach gigantisch. Für die Wanderer und Naturliebhaber, ist dieser Küstenabschnitt einfach nur traumhaft. Stundenlange Wanderungen, gerade im Frühjahr, wenn alles blüht, oder im Herbst, wenn es nicht mehr so heiß ist,sind möglich. Radwandern ist ebenfalls möglich. Die Küste ist ziemlich Felsig und der Strand oft steinig. Um Sandstrände bieten zu können, wurden sie mühevoll aufgeschüttet. Dies alles war der Grundstock für viel kleine Familienbetriebe. Die großen Hotelburgen wollen direkt an den Strand und nicht in die zweite Reihe.Doch für diese reichte der Raum nicht aus. Und die Regierung schob diesem einen Riegel vor, indem sie große Bauten verbot und vieles als Naturschutz auswies. Ich hoffe nur, daß dies auch nach nun mehr als 25 Jahren auch noch so ist.
Unser Teil liegt aber in der Nähe der Hafenstadt Chania. Diese zwar einen Flughafen hatte, aber nur für Inlandflüge. Also Chania- Athen usw. ob es heute noch so ist, weiß ich nicht. ich hoffe es.Und weil dieser Teil Kretas viel klüftiger ist was uns sehr entgegen kam, den wir wollten ja die Natur miteinbeziehen. Janis hatte mit viel Wissen und Gefühl für die Landschaft seine Plätze gekauft. Wir hatten einen Sandstrand, den die Familie selber aufgeschüttet hat, der auch halten würde, dann ging es über zu dem Olivenhain, der sich langsam an den Hügel lehnte. Eine Orangen und Melonenplantage, die würde unsere Gäste mit frischem Obst versorgen. Die Wege führten in langsam steigenden Windungen nach oben, meistens im Schatten von Bäume.Wer gut zu Fuß ist, nicht zu heiß, kann über 3 std. sich der Landschaft erfreuen , und wird zum Schluß belohnt mit einer Weitsicht, über einen großen Teil der Küste links und rechts von Kreta. In diese Landschaft wollte wir einzelne Häuser bauen, kein großen Hotel, sondern einzelne Häuser,ins Land eingebettet, mit einer zentralen Rezeption, mit Restaurants mit Kretischer- und griechischer Musik. Janis schwebte ein Dorf im Dorf vor. Ja wir waren alle überzeugt, daß wir das schaffen würden. Wir konnten viele der verantwortlichen Posten aus seiner Familie besetzen. Die anderen, je nach ihrem können und wollen. Wir konnten zB.die ganze Garten und Feldarbeiten, auf eine Familie übergeben. Die verteilten dann die einzelnen Aufgaben unter sich auf. Da ja nicht alles auf einmal gebaut wurde, sonder Abschnitt für Abschnitt, würde sich alles langsam einspielen, bis zum Schluß alle ihren Posten hatten, würden sicher Jahre vergehen. Das Schöne war halt, daß die ganze Famillie von Janis mitzog, und wirklich bereit war, viel und gut zu arbeiten. Wir hofften wirklich, daß das gut gehen würde. Weil unsere Pläne und Vorstellungen der Regierung entgegenkam,
deshalb waren die Bewilligungen sehr schnell da. Und es sollte zügig vorangehen, sodaß man im Frühjahr vielleicht wenigstens ein Haus eröffnen konnte. Die Brüder von Janis und die Familien würden das ganze überwachen, in der Zeit , wo wir in der Wintersaison noch unser Geld verdienten. Unsere Zuckunft sah so toll aus, wir freuten uns riesig auf dieses Projekt und malten uns die nächsten Jahre wunderschön aus. Wir wußten, was auf uns zukam, immer wieder träumten wir von unserem großen Traum. Er sollte unser Lebenswerk werden. Dort wollten wir arbeiten und leben, alt werden. Zusammen sein, uns haben, weil wir uns liebten. Wir waren einfach nur noch glücklich. Die Arbeit flog uns nur so von der Hand. @mary rosina 06.06
Montag, 05. Juni 2006
Ich muß fort
Eine Woche vor Ostern bekam ich der größte Schock. Durch Zufall bekam ich ein Telefon Gespräch meiner Mutter mit .Sie hat mich in einem Heim angemeldet, ich soll dort die Hauswirtschaft Schule besuchen. 1 ganzes Jahr, nur 2x 1 Woche Ferien.
Ich wollte doch ins Welschland. Meine Mutter meint, mit dieser Grundausbildung, könne ich später immer noch darauf aufbauen. Das Jahr wird schnell vorüber gehen. Sie ließ nicht mit sich sprechen, Vater sagt, es werde schon das richtige sein ,Heute weiß ich, dass Mutter mir mit diesem Aufenthalt helfen will.. Sie kann die Trauer nicht mehr mit ansehen Sie weiß allerdings nicht wie sie mir helfen soll sie holt sich Rat beim Pfarrer.Im nachhinein muss ich ihm dankbar sein, aber als Kind will man, das ja nicht hören. Mutter selber spricht ja auch nie über ihren Schmerz.
Meiri wollte mir auch helfen, aber da er nicht nach Hause kommen konnte, konnte er nicht viel ausrichten. Wie sollte ich mich dagegen wehren, du bist ja nicht mehr da, sonst hast du mir immer den Rücken gestärkt, nun war ich alleine, traurig und leer .Mutter hat die Adresse von Meiri versteckt, sie hat wohl Angst, dass er mich holen will. Das wäre wohl so gewesen, wenn er gewusst hätte, wie schlecht es mir geht .Also muss ich gehen.
Ich bin wütend auf dich, du hilfst mir nicht mehr, du hast mich einfach im Stich gelassen. Wenn du noch da wärst, dann hätte Mutter sich das nicht erlaubt, ganz bestimmt nicht .Vater zog sich immer noch in den Wald zurück und sagte nichts . Er hat genug mit sich selber zu tun. Er verarbeitet den Schmerz und Trauer im Wald. Gesprochen hat er niemals darüber. Wie ich das verarbeiten soll, hat nie jemanden gefragt. Ich war so alleine mit meiner Trauer und mit meiner Sehnsucht nach dir. Das ist auch noch nach Jahren so gewesen. Du warst nicht mehr da, doch ich vermisste dich genau so stark wie am Anfang als du gegangen bist.. Ich denke darüber nach, ob du vielleicht wiedergeboren wirst, dann ein glückliches Leben in einer neuen Familie führst, das wollte ich aber auch nicht haben. Du sollst bei mir sein und nicht in einer neuen Familie .Dann denke ich, du bist ein Schutzengel geworden. Dann bist du bei mir und kannst auf mich aufpassen. Du hast aber deinen Job nicht immer gut gemacht, sonst wäre ich nicht soviel in Fettnäpfchen getreten. @ mary rosina 05.06
Vaters Unfall
Dann kam der Unfall von Vater. In der Schreinerei, in der er arbeitete, lösste sich eine Strebung, die Bretter die da drauf gelagert waren, fielen herunter, Vater auf den Kopf .
Bei der Versorgung der Wunde war ein Fehler passiert ,wie man später auf Grund vieler Untersuchungen festgestellt hatte. Es war eine bleibende Behinderung daraus hervor gegangen .Er hatte immer wieder kommende Bläckouts,oft drei , vier Tage lang,, die ihm beim arbeiten mit den Maschinen, schwer hätten verletzen können. Er mußte die Arbeit in der Schreinerei aufgeben.
Er wurde aber mit Medikamente so gut eingestellt, allerdings erst nach längerer Zeit, dass die Anfälle unter Kontrolle gebracht werden konnten.Die Arbeitgeber waren aber nicht darauf eingegangen, das Risiko war ihnen zu gross. Dadurch wurde er immer Depremierter.
Ein Mensch wie mein Vater konnte man nicht einfach so ruhig stellen, er hatt seit Kindheitsbeinen an immer streng gearbeitet .Ich kann das heute leider selber nachempfinden, wie oft muss er verzweifelt gewesen sein. Da aber die Prognosen für ihn immer besser wurden nahm er sich vor, ich mache wieder das, was ich mein ganzes Leben gemacht habe, Bauern, wenn auch im kleinen Stiel.
Er holte die Steilhänge und die von den Bauern nicht geliebte Arbeit der Bäume ausmähen, wieder für sich ein, er baute einen grossen Hasenstall für über 100 Tiere. Futter hat er genug .Er bekommt es sogar von den Bauern das ausmähen bezahlt .Das grosse Strohfeld unten am Fluss, hat er auch wieder zurück geholt, es war verpachtet, aber er brauchte es nun wilder selber .Wie früher mit dem Grosstier, geht er heute mit den Hasen um .Die Tiere pflegte und hegte er. Er mästete sie nicht auf grosses Gewicht, sondern auf schönes saftiges Fleisch. Wie er das geschafft hat, keine Ahnung, aber er hat es geschafft. Er hat seine Kundschaft bald beieinander, die Mundpropaganda macht sein übriges.
Dann kam das ganz grosse Angebot, die Gemeinde suchte einen zuverlässigen Mann, der den Gemeindewald in Ordnung hielt. Das hieß Altholz verarbeiten, Jungwald ansetzen und pflegen. Er hat ganze Hänge frisch bepflanzt und gehegt, Er mäht die Pflänzchen aus, damit die Sonne und Luft bekommen .
Viele Jahre später bin ich mal mit meinem Sohn, durch den Wald spaziert, es ist ein wunderschöner Mischwald daraus geworden .Ich denke daran, wie glücklich er jedes Mal war, wenn er wieder einen Hang frisch bepflanzt hat. Hunderte „Bürdelis“, Buscheln hat er gemacht. So ist er wieder glücklich geworden. Er machte die Arbeit, die ihn glücklich machte, Bauern in Miniformat, und Pfleger von Wald und Holz. Das hat er gemacht, bis er vom Alter her nicht mehr die Kraft dazu hatte.
Und Mutter; sie geht noch einige Jahre in die Fabrik, bis sie pensioniert wurde .Allerdings hatte sie mit ihrem Garten auch ein Geschäft angefangen. Sie verkaufte alles, was der Garten hergab. Salat, Blumen und Gemüse, denn für zwei Personen, war der Garten viel zu gross. So fanden beide ihren Weg, den sie miteinander gingen bis . Vater 1986 starb. Vieles haben sie miteinander getragen und trotzdem nie aufgegeben.
@ mary rosina 06.06
Taufe Von Michael Knobel Besuch seiner Schwester Maria
Walter und Mutter 1966 Mutter 1966
Am vergangenen Donnerstag den 22. Mai 1986 hat Ehemann Meinrad Diethelm-Schättin Haslen, im 73 Lebensjahr seine letzte Ruhestätte auf unserm Friedhof, Lütisburg gefunden.
Mit dem Verstorbenen ist ein stiller und ruhiger Mitbürger, der in seinem Leben, mit Besitz, Reichtum oder besonderen Annehmlichkeiten nicht verwöhnt war, von uns gegangen.
Seine irdische Laufbahn begann am 22.März 1914 auf dem Bergbauerngut <Gfell>, Galgenen SZ. Seine Eltern, Martin und Rosina Diethelm-Ziegler, besaßen ein kleineres, streng zu bearbeitendes Heimwesen. Mit seinen 6 Geschwistern- wovon er das drittälteste war- verlebte er seine Jugendzeit. Leider allzu früh verlor er seinen Vater. Um die Primarschule in Galgenen besuchen zu können, musste er täglich mit seinen Geschwistern, einen sehr langen Weg zurück legen. Schon während und besonders nach der Schulzeit musste Meinrad tüchtig mithelfen Zuhause, denn die Mutter hatte Mühe und Sorgen, die große Familie durchzubringen.
Etwas älter geworden, nahm er als tüchtiger Knecht verschiedene Stellen in der Umgebung an. Überall seine Fleißigkeit, sein Einsatz und seine Selbstlosigkeit geschätzt. 9 volle Jahre war er in der gleichen Eigenschaft tätig bei einer Bauernfamilie in Wangen SZ.
Er wechselte dann zur SBB um dort als Gramper zu arbeiten. 8 Jahre konnte er bleiben, dann musste er noch mal was anderes zum arbeiten suchen, denn diese strenge Arbeit, bei jeder Witterung, setzte seiner Gesundheit zu sehr zu.
Viele Jahre war er dann in einer Schreinerei tätig, wo er eine leichter und ihm zusagende Arbeit fand. Reif an Jahren und an Lebenserfahrung, dachte er daran , eine Familie zu gründen.
Am 6.Mai 1940 schloss er mit Maria Schättin aus Wangen SZ in der Pfarrkirche Altdorf den Bund des Lebens. Der harmonischen Ehe entsprossen 5 Kinder, wovon eines im frühen Kindesalter starb. Der Verstorbene war seinen Anvertrauten ein gütiger, liebevoller und treusorgender Vater.
Im Jahre 1958 verließ er die ;March, da er in der Haslen-Lütisburg ein Eigenheim erwerben konnte. Seinen bisherigen Beruf als Schreiner konnte er im nahegelegenen Bazenheid weiter ausüben.
Durch einen schweren Arbeitsunfall wurde er sehr geschwächt und war seit dieser Zeit gesundheitlich angeschlagen. Er litt innerlich sehr, dass er nicht mehr tätig sein konnte und immer mehr verspürte, wie seine Kräfte langsam schwanden. Etwas Abwechslung und Zerstreuung fand er durch das arbeiten im Garten, wie auch seiner Kaninchenzucht, die er mit sehr viel Liebe aufzog.
Zwei schwere Schicksalsschläge trafen in, als seine beiden Söhne Leo 1966 und Meinrad 1979 in den besten Jahren entrissen wurden. Als treuer Christ hat er seine Pflichten erfüllt; still und gottergeben hat er die oft harten und drückenden Lasten und Bürgen des Lebens ertragen. Er war dankbar für jeden Liebensdienst und jede Hilfeleistung. Trotz mehreren Spitalaufenthalten in St.Gallen und Wattwil konnte ihm gesundheitlich nicht mehr geholfen werden, wo er dann wohlvorbereitet und gottergeben gestorben ist , am Freitag 16.Mai 1986, und seine Seele dem Hergott zurückgegeben hat.Der liebe Heimgegangene ruhe im Frieden des Herrn. Dieser Nachruf wurde von unserem Pfarrer Josef Steiner in Lütisburg geschrieben für die Zeitung.
Mein Vater war ein sehr gläubiger Mensch
Der Grabstein zeigt; seine Liebe zu den Bergen - zum Wald
und der Natur
und den steilen Lebensweg, den er hatte.
Das habe ich von meinem Vater gelernt Man muß die Welt mit offenen Augen sehen, nur so, kann man im Leben recht bestehen, und es richtig verstehen. Das habe ich von meinem Vater gelernt. Als kleines Mädchen, ja da habe ich es schon im Herzen gespürt, die Berge, die Sonne, die Wolken, die sind alle für mich. Wer da hoch oben auf dem Berge steht, wird es genauso spüren, da oben, da ist man frei.. Wenn ich einen Jodler höre, dann geht mein Herz weit auf. Da wo das Herz zu Hause ist, das ist die Heimat, da zieht es dich immer wieder hin, drum pflege und hege diesen Platz in deinem Herzen. Die Menschen, die Berge, die alten Lieder, die geben uns immer die Kraft, die wir für den täglichen Lebenskampf immer wieder brauchen. Sei Gottesfürchtig, ehrlich und anständig, sagte er immer wieder zu mir! Das alles habe ich von meinem Vater gelernt. @ mary tosina 06.06
Vaters jüngste Schwester Maria und Ehemann Mathe Als Erinnerung an Ihre Abstammung dem Berghof
Die Nacht ist von den Bergen gestiegen, die Lichter im Tal löschen aus. Wohl dem der eine Heimat hat, der sagen kann ich geh nach Haus.
So manches Leid schläft unter Dächern, die Nacht deckt es lindernd gut zu. Am Himmel leuchten die Sterne und unten im Tal schläfst auch du.
Die Glocken läuten vom Kirchturm, ihr Klang wehet weit übers Land. Die Sehnsucht stille Wege geht, im Traum fühle ich deine Hand.
Ein milder Schein wecket den Morgen, denn Freunde sind Sonne und Mond. Sie lösen sich ab ohne streiten, weil Streiten im Leben nicht lohnt.
Bergheimat du, du schenkst mir die Ruh. Bergheimat du, in der find ich Ruh!
St. Moritz
Meine Sturm und Drang Jahre
Meine Sturm und Drang Zeit
Ich blieb zwei Jahre im Heim, machte meine Hauswirtschaftsschule und ging dann in den Kindergarten, machte ein Praktikum. Es half allerdings nichts, ich bekam den Platz nicht in Kindergarten Seminar. Da entschloss ich mich auf Privater Basis zu suchen. Ich fand recht schnell, eine Familie, mit drei kleinen Kinder. Ich war super glücklich bei ihnen. Im ersten Sommer fuhren sie nach Spanien, Ich blieb mit dem Baby alleine zu Hause. Machte aber mit meiner Mutter aus, dass ich dann auf Besuch kommen würde .Das muss man sich vorstellen, ein kleines Dorf, jeder kennt jeden. Das war wie ein Lauffeuer rum: Maria ist mit einem Baby aber ohne Mann nach Hause gekommen. Ja, ja, das war Ende der 60er Jahre halt noch so .Ich freute mich diebisch. Ich war sehr glücklich, hatte viel Spielraum mit den Kinder, Arpad, Jlona und mein Baby Marica. Für mich hätte das noch lange so weiter gehen können. Aber die Familie hatte Pläne ,sie wollten bevor Arpad in die Schule kommen würde, noch eine längere Reise mit dem Wohnmobil machen.
Das hiess für mich eine eigene Bleibe suchen ,ebenso eine Job. Ich hoffte auch immer noch, dass mein Bruder Meinrad vom Schiff runter kommen würde, er hatte aber noch einen Jahresvertrag. Später sagte er oft, wenn er gewusst hätte, was ich alles anstellen würde, wäre er nach Hause gekommen. Mein Freund und ich suchten schon länger eine kleinere günstige Wohnung, aber das konnte man glatt vergessen. Trotzdem mein Freund älter war und ein festes Einkommen hatte, war es immer das Gleiche, ohne Heirat keine Wohnung. Udo Jürgens sang damals den Song, Dieses ehrenwerte Haus , das war aber wirklich so. Das änderte sich erst so Mitte 70er Jahren.
Ich war oft mit meinen Freunden unterwegs, wir hatten einen kleinen Moorsee, der wurde viel Wärmer als der Grosse. Unser Lieblings Platz, wir gingen mit den Schlafsäcken Abends hin, und liessen uns von der Sonne wecken. Wir waren jung, so wie es wahr so war es gut. Da ich so schnell keine Bleibe gefunden hatte, kam es mir gerade recht, dass wir nach Südfrankreich fahren wollten. Wir redeten uns die Köpfe heiss, jeder wollte was anderes, war gar nicht so einfach, aber als wir abfuhren, waren wir uns einig. Sechs Leute fuhren mit ihren Vespas, so eine Art Roller, zweimal zu zweit und zwei fuhren solo. Mein Freund und ich fuhren mit dem Auto und hatten das ganze Gepäck, das Zelt usw. Wir hatten ausgemacht, in Etappen zu fahren. Zehn Tage waren eingeplant, es wurden dann einige mehr, weil es soviel zu sehen gab. Es war einfach nur toll. So unbeschwert ist man nur, wenn man jung ist. Wir hatten nicht viel Geld, brauchten allerdings auch wenig. die Ansprüche sind auch nicht so gross ,wie wenn man Erwachsen ist. Wir hielten uns die ganze Reise Richtung Südfrankreich ,an die Bauerngüter, fuhren oft noch zu Freunden der Bauern, die uns dann auch noch angekündigt hatten Da haben wir für Speis und Trank gar kein Geld gebraucht. Dafür reichte es länger für eine Woche Campingplatz.
Campingplatz war sauber und voller jungen Leute, aus diversen Nationen. Direkt am Meer, nur durch eine Strasse getrennt. Wir Schweizer feierten den 1. August, unser National Feiertag, am Strand, im Sand, das hätte man einige Jahre später auch nicht mehr machen dürfen. Vier volle Wochen, diese Erinnerungen sind heute noch toll. Wir fuhren über die Pyrenäen, runter bis Barcelona. Eine Autobahn, gab es damals noch nicht. Also immer runter bis ans Meer, da lagen die Dörfer, dann wieder rauf auf die Berge. Heute rasen alle über die Autobahn, runter nach Barcelona und sehen die schönen Buchten mit ihren Fischerdörfchen gar nicht mehr. Denn das kostet viel Zeit, wenn man rauf und runter fahren muss, wer hat heute noch Zeit? Einmalige Zeiten, wie viele, die noch kommen sollten. Jede Zeit , ist einmalig und nicht wiederholbar. Jeder von uns hat das schon mal erlebt, eine ungeplante aus dem Stegreif heraus gefeierte Feier, ist nicht mehr wiederholbar, wenn man es versucht, ist es oft nur ein Hauch von der ersten.
Ich wurde einige Wochen später 18 Jahre alt .Auf die Frage, was ich mir wünschen würde, sagte ich immer eine Wohnung. Den Job hatte ich schon, ich wollte in einem Cafe am Buffet und im Service arbeiten. Es lag mir doch im Magen, dass die Wohnungsfrage noch immer nicht geklärt war, mehr als ich zugeben wollte. Es wurde auf einmal diskutiert, was man alles machen könnte, da sagte jemand, keine Ahnung mehr wer, heiratet doch, dann habt ihr das Problem nicht mehr. Plötzlich wurde über eine Hochzeit gesprochen, in unserm Jugendlichen Leichtsinn. Ich fühlte mich auf einmal wichtig und träumte. Wir kamen irgendwie nicht mehr aus der Nummer raus, ich wollte es auch nicht mehr, es war doch so toll und schön, die Hochzeit zu Planen. Das ganze verselbständigte sich, und wenn ich ehrlich bin, ich wollte auch gar nicht aufhören zu träumen, wie es sein wird und was wir alles machen können. Der Zufall hat auch noch seine Finger im Spiel, denn wir bekamen schnell eine Altbau Wohnung. Wenige Wochen nach dem schönen Urlaub, heirateten wir, wie es sich gehörte mit weissem Kleid und Familie. Alles war in Ordnung, ich war übermütig wie ein kleines Kind. Dass die Schwiegerleute nicht begeistert waren, war mir mehr als egal. Er war mit seinen 23 Jahren, selbständig genug um seine Entscheidung zu treffen. Ich weis nicht, wie oft er das ganze verflucht hat, ich glaube auch nicht mehr als ich .Ich schwebte wie auf Wolken, vergass ganz, dass das Leben nicht nur Honig schlecken ist. Ich arbeite in dem Cafe zuerst an der Buffet, dann als Serviertochter. Jeden Tag das Gleiche, ich war überhaupt nicht mehr glücklich. Fort war das Unbekümmert sein ,das Unbeschwerte. Die Wohnung, um die es einmal ging, sah ich nur noch wenige Stunden und mein Mann genau so wenig, das Ganze hatte sowieso keine Basis, so war die Trennung ein ganzes halbes Jahr nach der Hochzeit, für niemanden, die uns kannten, eine Überraschung. Wir weinten uns keine Tränen nach. Einen warmen Händedruck, eine Umarmung und jeder ging seine Wege. Die Scheidung hatten wir erst fünf Jahre später, sie war vorher einfach nicht wichtig gewesen.
Genau zu diesem Zeitpunkt der Trennung, trat mein Bruder Meinrad wieder auf festen Boden und wollte einige Zeit an Land bleiben. Er machte sich Vorwürfe, weil er nicht da gewesen war , um das Ganze zu verhindern. Dieser Meinung war ich nicht. Es war eine gute Zeit gewesen, jung halt, verrückt, einfach jung und schön. Als er sah in welchem Dilemma ich mich befand, nahm er mich unter seinen Arm und weg war ich. Ich freute mich riesig, wenn ich gewusst hätte, dass er mich so schlauchen würde, hätte ich mich nicht wohl nicht so gefreut. @ mary rosina 06.06
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